Susanne
von Bülow hat ihren "Zuckerbrusttorso"
ursprünglich für den geschützten Innenraum
geschaffen und konzipiert, denn bei ihm handelt es sich um
eine fragile Arbeit die eigentlich eines Schutzraumes bedarf.
Doch gerade das Verlassen der geschützten weißen
Zelle des Galerieraumes interessiert die Künstlerin bei
ihrer Zusammenarbeit mit dem Berliner Kunstverein. Denn in
einer unprätentiösen Geste platziert sie den Zuckerbrusttorso
unter einer Brücke am stark frequentierten Ring von Münster.
Dort ist er allen möglichen Interaktionen und Gefahren
ausgesetzt, erkennt zum Beispiel der Plakatierer bei seinem
nächsten Besuch, dass es sich um ein erhaltenswertes
Kunstwerk handelt oder plakatiert er es einfach über?
Was ist mit testosterongesteuerten männlichen Passanten,
die zufällig den Zuckbrusttorso mit all seiner sexuellen
Attraktivität entdecken und versucht sind, seine süßen
Brustknospen zu kosten? Was passiert, wenn der Morgentau die
Brüste in ihrer Zartheit angreift und sie gar auflöst?
Wenn ein Kunstdieb das Werk entwendet? Wie lange wird also
der Zuckerbrusttorso im öffentlichen Raum überleben?
Das meint das Kuratel:
"Kunst unter Brücken neben Plakaten und auf rohem
Beton.
Susanne von Bülow zeigt ihre Installation "Zuckerbrusttorso"
am Ring dort, wo der Bohlweg abzweigt.Die hochwertige Radierung
auf edlem Büttenpapiert steht im ästhetischen Widerstreit
mit der plakatierten und graffito verschmierten Umgebung unter
der Bahnbrücke am Ring.
Susanne von Bülow zeigt einen Torso auf dem zwei Zuckerkristallkaramellbrüste
aufgebracht sind. Die süssen Brüste entstanden in
einer Gemeinschaftsproduktion mit Ruppe Koselleck, der die
Zuckerbrüste als eine vergängliche Installation
im Aussenraum konzipierte.Es handelt sich bei von Bülows
Intervention um eine Ausstellung für arglose Passanten
und staugeschädigte Autofahrer, die ausreichend Zeit
für die Rezeption der Plakatwände haben. Wer an
der roten Ampel steht, kann den Hinweisen der Werbung folgen
und sich seit gestern im Zuckerbrusttorso verirren.
Ihre Intervention ist eine kostspielige Reflektion des öffentlichen
Ausstellungsraumes, eine großzügige Geste und Frage
an den Wert von Kunst oder von Plakaten - kurz ein relevanter
Beitrag zur Verschönerung der betoniden Welt innerhalb
des alltäglichen Brückenszenarios unter dem wir
uns alltäglich bewegen.
Mit ihrer Intervention setzt sie Ihren Druck einem zweifelhaften
Gebrauchs- und Verschleisswert aus, den sie unter dem Totalverlust
eines plakatierten Stück Büttens in Kauf nimmt.
Da ein Kaffeekristallkaramell nicht nur schön sondern
auch süß und schmackhaft ist, eröffnet Susanne
von Bülows Brückeninstallation die Möglichkeit,
die Brüste real zu kosten. Diese niedrigschwellige süßliche
Konsumentenorientierung verläuft an der korrupten Grenze
des triebhaften Sacharosegeschmacks den Werbung auszudünsten
hat. Probieren Sie selbst! Nicht nur das Auge ißt dem
Zuckerbrusttorso geneigt.
Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir diesbezügliche
Bilder auf unseren Seiten veröffentlichen.
Besuchen Sie noch heute die Ausstellung des Berliner Kunstvereins,
solange sie noch steht."
|