Das
„Kommando Kunstpolizei“ ist ein
loser Verband von anonymen Künstlern und Theoretikern
und versteht sich als ästhetisches SEK, das akute Bedrohungssituationen
in Fragen der künstlerischen Sicherheit frühzeitig
erkennt und dann entschlossen interveniert, um gegen die Gefährder
vorzugehen.
Das Kuratel des BKV hat zur Belebung der Paul Wulf Diskussion
das „Kommando Kunstpolizei“ aus München und
Leipzig eingeladen, die Situation in Münster auf politästhetische
Gefährdungsmomente hin zu analysieren.
Im Rahmen einer Ausstellung im Berliner Kunstverein zeigen
wir nun das Arbeitsergebnis der Kunstpolizei, die aus justitiablen
Gründen leider ohne Namen operieren musste.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Hier nun Auszüge aus der Analyse des „Kommando
Kunstpolizei – SEK Leipzig und München“:
„Die Diskussion um die Paul
Wulf Skulptur von Silke Wagner illustriert einmal mehr
das alte Adorno Wort,
dass kein richtiges Leben im Falschen möglich sei. Denn
wenn es durchaus richtig ist, die Opfer des totalitären
Zwangsregimes der NS-Zeit im Gedächtnis zu behalten und
eine derart geartete Erinnerungskultur zu pflegen, erscheint
es uns allerdings auf künstlerischer Ebene zweifelhaft,
ob es ausreicht ein Objekt, das wie ein aus einem Fahrgeschäft
auf dem Jahrmarkt Herausgerissenes wirkt, aufzustellen. Es
mag sein, dass die Künstlerin die Reaktion auf die von
ihr verwendete Ästhetik mitreflektiert und gewünscht
hat, um ein ästhetisches Kleinbürgertum aufzuzeigen.
Doch erachten wir eine solche künstlerische Strategie
als zu banal, um allein tragend zu sein.
Wir geben Silke Wagner nun zu bedenken sich in Konsequenz
zu üben und fragen deshalb, ob es nicht am besten sei,
ihren „Gartenzwergwulf“ blau(vergl. Deleuze
Monument von Th. Hirschhorn) einzufärben und an den
Standort Schlumpfhausen zu versetzen. Soweit der ästhetische
Kommentar zur strittigen Plastik.
Stattdessen schlagen wir eine andere Gedenkvariante zu Ehren
Paul Wulfs vor:
Die Unbenennung des Hindenburgplatzes in „Paul
Wulf Platz“.
Dazu müsste einzig und allein der Name des Platzes vom
Steigbügelhalter des Führers
(> Hindenburg)
in den des zwangssterilisierten Opfers und verdienten Bürgers
Paul Wulf
umbenannt und die öffentliche Beschilderung des Platzes
getauscht werden, sowie seine neue Namensgebung in zukünftigen
kartographischen und anderen Publikationen Eingang finden.
Paul Wulfs ehrenhaftes und wichtiges Engagement für die
Opfer der Zwangssterilisation würde dann (nach dem Bundesverdienstkreuz)
eine weitere wichtige Würdigung(vor allem lokale) finden.
Um mit einem guten und praktischen Beispiel voran zu gehen,
haben wir bereits begonnen, die vorhandene Beschilderung mit
entsprechenden neuen Schildern zu ergänzen. Um so dem
politischen Gedächtnis in Münster einen ästhetischen
und gesellschaftlich relevanten Duktus zu geben.
Ihr Kommando Kunstpolizei
(SEK Leipzig und München).“
Anmerkung des Berliner Kunstvereins: Auch
wenn wir nicht in allen Punkten die Meinung des anonymen Kommandos
teilen, halten wir eine Veröffentlichung der Position
als hilfreich und förderlich für den öffentlichen
Diskurs. Auch denken wir, dass aufgrund des von ihr ausgelösten
Diskurses und Prozesses die Paul Wulf Skulptur allen ästhetischen
Bedenken zum Trotz erhalten bleiben und dementsprechend wiederaufgebaut
werden sollte.
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